Das Rassistische Narrativ der Nachhaltigkeitsinitiative

Apr. 1, 2026 | Info-Beitrag

Mit der sogenannten Nachhaltigkeitsinitiative melden sich die EcoPop-Anhänger*innen und ihre Verbündeten in der Schweizerischen Volkspartei (SVP) nach zehn Jahren wieder zu Wort. Im Jahr 2014 wurde die ECOPOP-Initiative «Stopp der Überbevölkerung zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen» mit 74,1 % vom Schweizer Stimmvolk abgelehnt. Damals waren die Forderungen des Ecopop-Komitees der SVP noch zu vage, und vielleicht war es selbst der SVP zu abstrus, dass Ecopop Entwicklungsgelder in Afrika einsetzen wollte, um dort Familienplanung zu betreiben.

Schon damals war Thomas Aeschi (SVP) der Ansicht, die bessere Lösung seien die flexiblen Kontingente der Masseneinwanderungsinitiative.

Nach der Abstimmungsniederlage war lange nichts mehr von den Ecopop-Leuten zu hören. Spätestens mit der Wahlzeitung der SVP im Jahr 2022 wurde jedoch klar: Die SVP hat die Ecopop-Themen für sich entdeckt. Doch was macht das Narrativ von Ecopop für die SVP nun attraktiv, und worum geht es dabei überhaupt?

Die Ecopop-Anhänger geben sich nach aussen hin grün, naturverbunden und systemkritisch. Sie sprechen von der Überbevölkerung der Erde und treten angeblich für den Schutz der Natur ein. Mit Ecopop-Anhängern sind dabei nicht nur die drei Vorstandsmitglieder des Ecopop-Vereins gemeint; entsprechende Positionen finden sich auch bei der rechtsextremen Jungen Tat und in Kreisen der SVP. Die Frage lautet: Warum sieht man sich als Naturfreund bei der SVP oder gar bei der Jungen Tat, und seit wann interessieren sich rechte Strömungen plötzlich für Nachhaltigkeit?

(Sans-papiers und Klimastreik am Rise-Up 2020)

Naturmythen

Rechten Bewegungen geht es seit jeher um Naturmythen: um die Vorstellung, vermeintlich gewachsene Landesgrenzen vor einer angeblichen Invasion „der Anderen“ zu schützen. Es geht um die Zuordnung von Menschen nach Hautfarbe und Aussehen zu einem bestimmten Stück Erde. Es geht um Grenzen, die oft erst vor wenigen Jahrzehnten von Kolonialmächten gezogen wurden.

Auch die verträumte Junge Tat sieht sich als Beschützerin der Alpen, der grünen Wälder und der tiefen Seen, vielleicht auch noch von Schokolade und Wein. Gerne präsentieren ihre Mitglieder sich selbst mit entblösstem Bierbauch vor sonst sehr schönen alpinen Kulissen und inszenieren Naturverbundenheit als Teil ihrer politischen Ästhetik.
Es hat eine Weile gedauert, bis neurechte Kreise erkannten, wie sich das Natur-Narrativ politisch instrumentalisieren lässt. Inzwischen scheint diese Strategie aber wieder gefestigt.

Bildsprache

Doch geht es ihnen tatsächlich um Nachhaltigkeit? Ist etwa Magdalena Martullo-Blocher (rechtspopulistische Konzernchefin und Nationalrätin) zur Klimaschützerin geworden? Kaum. Vielmehr versuchen Ecopop-nahe Kreise, das Klima- und Naturnarrativ mit ihren eigenen migrationspolitischen Themen zu besetzen. Dabei greifen sie punktuell auch Argumente auf, die sonst eher im linken Spektrum verwendet werden, etwa die These, dass es in einer endlichen Welt kein unbegrenztes Wachstum geben könne.

Als Ursache für ökologische Probleme wird jedoch nicht das bestehende Wirtschaftssystem oder die Macht grosser Vermögen problematisiert, sondern erneut „die Ausländer“. Nach einem systemkritisch anmutenden Abschnitt im Umweltteil der Website der rechtsextremen Jungen Tat folgt keine faktenbasierte Argumentation und kein kohärentes politisches Ziel. Stattdessen wechseln die Positionen: mal gegen Eigenverantwortung, dann wieder für Eigenverantwortung; einerseits Lob für strenge Umweltgesetze, andererseits Kritik, weil die Wettbewerbsfähigkeit leide. Der entsprechende Abschnitt zeigt exemplarisch, wie polemisch mit dem Thema Nachhaltigkeit umgegangen wird.

Naturbilder- Berge, Alpenkultur, Bergseen dienen als ästhetische Kulisse in sozialen Medien. Noch häufiger jedoch wird die Natur als rhetorischer Vorwand genutzt, um Migration feindliche Positionen zu legitimieren.


Was wir wirklich brauchen!

Für uns als Klimabewegung ist klar: Wir lieben die Natur und wir lieben die Menschen, die in ihr leben. Der Mensch braucht die Natur zum Überleben. Was er nicht braucht, ist ein Wirtschaftssystem, das sowohl die Natur als auch die Menschen ausbeutet. Zu diesem System gehören auch menschenfeindliche Narrative, die diese Ausbeutung ideologisch absichern.

Solidarität statt Abschottung

(Kfk Bild)
(No Borders Klimacamp)

Unsere Devise, Solidarität mit allen Arbeiter*innen, ob rotes Büechli oder nicht. So haben wir uns zum Beispiel mit Stahl Gerlafingen oder mit den Arbeiter*innen auf dem Bau, für besseren Schutz vor den Folgen der Klimakrise oder eine nachhaltige Stahlproduktion in der Schweiz eingesetzt. 

Lasst uns über neue Nachtzüge, die Begrünung unserer Städte oder den ÖV-Ausbau sprechen, statt uns über unsere Mitarbeitenden zu beschweren, weil sie eine andere Sprache sprechen.